Implementierung von Continuity-of-Care-Modellen: Was Teams und Kliniken brauchen
Wissenschaftliches Abstract
Die Evidenz zu Midwife-led Continuity of Care ist stark, die Umsetzung jedoch anspruchsvoll. Eine
Realist Review in BMJ Open 2025 untersucht, unter welchen Bedingungen Kontinuitätsmodelle in High-
Income-Countries implementiert werden können. Erfolgreiche Umsetzung hängt von Kontext,
Ressourcen, Rollenklärung, Vertrauen und Managementunterstützung ab. Der Beitrag übersetzt diese
Erkenntnisse in einen Implementierungsfahrplan.
Einleitung
Viele Einrichtungen beginnen mit einer guten Idee: Frauen sollen mehr Kontinuität erleben und
Hebammen sollen professionell autonomer arbeiten. In der Praxis scheitern solche Vorhaben jedoch
manchmal an Dienstplänen, Personalmangel, unklaren Verantwortlichkeiten oder Konflikten zwischen
Berufsgruppen. Implementierung ist daher kein rein organisatorischer Schritt, sondern Kulturarbeit.
Evidenz zur Umsetzung
Die 2025 in BMJ Open veröffentlichte Realist Review fragt, wie und unter welchen Umständen Midwifeled
Continuity of Care in High-Income-Countries implementiert werden kann. Sie betont das
Zusammenspiel von Kontext, Mechanismen und Outcomes. Implementierung kann bestehende Rollen,
Machtstrukturen und Routinen verändern; deshalb entstehen Unsicherheiten auf individueller, Teamund
Organisationsebene [5].
Erfolgsfaktoren
Erfolgreiche Modelle brauchen kleine, stabile Teams, klare Fallverantwortung, transparente Kriterien,
administrative Unterstützung und geschützte Zeit für Kommunikation. Leitungskräfte müssen verstehen,
dass Kontinuität nicht nebenbei entsteht. Sie verändert Bereitschaftsdienste, Dokumentation,
Urlaubsplanung, Übergaben und interprofessionelle Fallbesprechungen.
Risiken der Umsetzung
Ein Risiko besteht darin, Kontinuität ausschließlich über Mehrarbeit der Hebammen herzustellen. Dann
kann ein evidenzbasiertes Modell in Überlastung kippen. Ein weiteres Risiko liegt in unklarer
Kommunikation mit Ärzt:innen: Wenn die Ziele des Modells nicht gemeinsam getragen werden, können
Konkurrenz, Misstrauen oder unnötige Eskalationen entstehen. Implementierung sollte deshalb von
Beginn an interprofessionell erfolgen.
Praxisempfehlungen für Hebammen
• Start mit Pilotphase: kleines Kollektiv, klare Einschlusskriterien, definierte Kennzahlen.
• Einrichtung eines Steuerungsteams aus Hebammen, Ärzt:innen, Pflege-/Klinikleitung,
Qualitätsmanagement und ggf. Elternvertretung.
• Evaluation nach 6 und 12 Monaten mit Outcome-, Prozess- und Erfahrungsdaten.
Infobox für die redaktionelle Nutzung
• Implementierungscheckliste: Zielgruppe, Teamgröße, Dienstmodell, Vertretung, Überleitung,
Fortbildung, Dokumentation, Evaluation, Kommunikation nach innen und außen.
• Nicht verhandelbar: Schutz vor Überlastung, Supervision, klare Verantwortlichkeiten.
Kurzfazit
Hebammengeleitete Geburtshilfe ist ein evidenzbasierter Ansatz, der physiologische Geburt, Sicherheitund respektvolle Betreuung verbindet. Entscheidend ist die professionelle Umsetzung: klare
Indikationsgrenzen, interprofessionelle Schnittstellen, ausreichende Ressourcen und kontinuierliche
Evaluation.